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Trend Report – December 11, 2005
Juergen Daum’s Best
Practice service
©2005 Juergen Daum. All rights reserved.
von
Jürgen
H. Daum1
Die Rolle des Finanzchefs in den Unternehmen hat sich im Laufe der letzten
10 Jahre signifikant gewandelt und hat eine deutliche interne und externe
Aufwertung erfahren. Dokumentiert wird dies durch die Tatsache, dass der „Chief
Financial Officer“ (CFO) mittlerweile in vielen Unternehmen – sowohl in
Großunternehmen als auch im Mittelstand -
Mitglied des Vorstands bzw. der Geschäftsführung ist. Die „Finance
Transformation“ erfolgte bislang in zwei Entwicklungsphasen. Aktuell, in der
dritten Phase, steht die Verbesserung der Effektivität, der Servicequalität und
der Wandel hin zu einer wirklichen „Business-Partner“-Funktion im Vordergrund.
(Der vorliegende Artikel wurde veröffentlicht in:
ControllerNews, 06/2005, S. 207-209)
Die wachsende Shareholder Value-Orientierung der
Unternehmen als Auslöser der ersten Veränderungsphase (1995-2000)
Ein
wesentlicher Treiber für die Aufwertung der Finanzfunktion in den Unternehmen
war die ab Mitte der 1990er Jahre auch in den deutschsprachigen Ländern
einsetzende Shareholder Value-Orientierung der Unternehmen – ein Ergebnis der
sich global öffnenden Kapitalmärkte. Dies markiert den Beginn der ersten Phase
der Veränderung der Finanzfunktion.
Denn die
Profi-Investoren, die als Fondmanager in Großunternehmen oder als Venture-Capitalists
in mittelständische Wachstumsunternehmen zu investieren begannen, erwarteten
keinen Buchhalter, sondern einen Finanz-Profi als Gegenüber, der ihnen nicht
nur die neuesten Unternehmenszahlen, sondern auch die Unternehmensstrategie
erläutern kann und der dabei Selbstvertrauen ausstrahlt, überzeugt, und so das
Vertrauen der Investoren in das Unternehmen, seine Strategie und sein
Management sichert.
Hinzu kamen
weitere Entwicklungen wie:
-
Die wachsende Dynamik der Märkte, die
Unternehmen immer häufiger zu einer Neuausrichtung von Organisation und
Prozessen zwang (und damit der Gefahr
aussetzt, dabei die Konsistenz im Handeln, die finanzielle Transparenz und
betriebswirtschaftliche Überblick und damit die „gute
Unternehmensführung“/Corporate Governance zu gefährden).
-
Die Notwendigkeit zur Harmonisierung
des internen und externen Rechnungswesens, die durch die externe Shareholder
Value-Orientierung der Unternehmen geschaffen wurde und die nun eine
konsistente Sicht auf finanzielle Ziele und Ergebnisse erforderte - sowohl was
die externen als auch internen Zahlen betraf. Das Top Management verlangte
deshalb nach entsprechenden Reporting und Controlling Konzepten und Werkzeugen,
mit denen die externen Shareholder Value Ziele in Business Unit Ziele nahtlos
übersetzt und dann der Fortschritt überwacht werden kann.
-
Neue externe
Rechnungslegungs-Anforderungen, zunächst vor allem für die in den USA
gelisteten europäischen Unternehmen, die nun mit der Herausforderung des
Übergang zu US-GAAP und der parallelen Rechnungslegung (paralleles Erstellen
von zwei Versionen des Konzernabschlusses) konfrontiert waren.
-
die Implementierung von
ERP-Standardsoftware (die eine neue Art der Koordination und Prozessintegration
über Funktionen hinweg erforderte) und neuer Konsolidierungs-, Reporting- und
Planungswerkzeuge.
All dies
erforderte einen starken „Finanz- und Business-Architekten“, nämlich einen
aktiven CFO, der intern die Fäden zusammenhält, die notwendigen Veränderungen
durchsetzt, und dafür sorgt, dass trotz dieser Veränderungen die Transaktions-,
Reporting-, Entscheidungsunterstützungs- bzw. Controllingfähigkeit des
Unternehmens nicht nur gesichert, sondern wesentlich verbessert wird.
Phase zwei: Fokus auf Effizienzverbesserungen und
Compliance (2000-2005)
Das Platzen
der Internet-Blase an den Weltbörsen im Jahr 2000 stellt den Beginn der
nächsten Evolutionsphase der Finanzfunktion dar. Viele Top Manager sind damals
aus dem Rausch der New Economy erwacht und wurden sich (wieder) bewusst, dass
ihr Unternehmen im weltweiten Wettbewerb nur langfristig überleben kann, wenn
es effizient arbeitet und über die erforderlichen Kostenstrukturen verfügt, um
auch in einer wirtschaftlichen Abschwungphase noch Geld verdienen zukönnen.
Durch die Terroranschläge am 11. September 2001 und durch die dadurch
ausgelöste (auch wirtschaftliche) Krisenstimmung, sowie durch bislang in ihrem
Ausmaß nicht gekannte Bilanzfälschungen (Enron, Worldcom, Parmalat) wurde neben
dem Thema Kosteneffizienz zudem auch das Thema „Compliance“ bwz. Corporate
Governance“ (Stichwort: Sarbanes Oxley Act) zur Herausforderung. Und beide
Themen fallen in den Zuständigkeitsbereichs der CFOs, der nun eine
Schlüsselrolle beim Meistern dieser Unternehmensherausforderungen spielt.
Die CFOs sind
so quasi über Nacht mehr denn je ins Zentrum der Aufmerksamkeit der Investoren,
Aufsichträte und Vorstandschefs gerückt und sie wurden mit der Aufgabe betraut,
die erforderlichen Veränderungen im Rahmen einer umfassenden „Finance
Transformation“ voranzutreiben. Durch eine Überholung bzw. den zeitgemäßen
Ausbau der „Financial Infrastructure“ sollten signifikante Verbesserungen bei
der Finanzdisziplin und der Finanztransparenz im gesamten Unternehmen, der
globalen „Financial Control“, sowie beim globalen Riskomanagment, und zusätzlich
bei der Prozesseffizienz möglich werden. Das Ziel der Verbesserung der
Prozesseffizienz war nicht nur die Beschleunigung der Abläufe sondern vor allem
auch eine Reduktion der Gesamtkosten des Finanzbereichs – sowohl in der
Zentrale als in allen Tochtergesellschaften und operativen Einheiten. Dies
erforderte ein „thinking out of the box“, also ein klarer Bruch mit der
Tradition und das Nachdenken über vollkommen andere, bessere Lösungen, was
Organisation, Prozesse und Systeme betrifft.
Ein typisches
Beispiel ist ein europäischer Konzern aus der Chemiebranche. Der CFO hatte im
Jahr 2000 ein Projekt gestartet, womit bis zum Jahr 2006 mehr als 20% der
Finance&Admin-Kosten eingespart und damit das erste Quartil im Vergleich zu
den relevanten Hackett-Benchmarkzahlen erreicht werden sollte. Gleichzeitig
sollte die Servicequalität gesteigert werden. Dies sollte durch folgende
Initiativen erreicht werden:
-
Eine massive Reduktion der Anzahl der
Finance&Admin-Einheiten im Konzern von über einhundert auf nur noch ein F&A
Shared Services Center je Region (Europa, Amerika, Asien). Wesentliches Ziel
dabei war, dass die Shares Service Center fortan wie ein professionelles
Servicegeschäft geführt werden sollten.
-
Konsolidierung der Finance- und
HR-Systeme von knapp einhundert weltweit auf nur noch eines je Region.
-
Umfassendes Reengineering
(Vereinfachung und Automatisierung) der F&A-Prozesse und weltweite
Vereinheitlichung der Stammdaten mit dem Ziel, Kosten zu reduzieren und durch
einheitliche Verfahren, Prinzipien und Datendefinitionen die Governance im
F&A-Bereich zu verbessern.
-
Umstellung von einer nach Ländern
organisierten Finanzfunktion auf eine regionale Prozessorganisation (Abschaffen
der lokalen CFO-Position, Installation starker Führungspersönlichkeiten als
regionale bzw. globale Prozessverantwortliche)
Bis Ende 2003
hatte man die F&A-Kosten bereits deutlich reduziert. Die Anzahl der unterschiedlichen (Teil-)Prozesse konnte von
weltweit 1.500 auf 400 reduziert werden und die „Financial Services“ waren
zumindest in Europa bereits als professioneller Dienstleistungsorganisation
etabliert. Darüber hinaus wurde ein zusätzliches Kosteneinsparungspotential
durch weitere Effizienzverbesserungen identifiziert, die bis 2007 zu insgesamt
35% Kostenreduktion im F&A-Bereich führen sollen.
Zukunftsperspektiven
Viele CFOs
haben bereits, wie im gerade vorgestellten Beispiel, große Fortschritte bei der
Verbesserung der Effizienz ihrer Finanzorganisation und bei den Themen
Compliance und Verbesserung der Corporate Governance erzielt. Dies stellt eine wichtige Basis für den
nächsten Schritt dar: nämlich die Finanzfunktion auf mehr Effektivität,
Wertschaffen und Business Partnership zu trimmen.
Dazu Dr.
Werner Brandt, CFO der SAP AG:
„Der CFO darf
heute nicht mehr allein ein Zahlenjongleur sein. Als unabhängiger
Businesspartner muss er die Geschäftsbereiche bei der Festlegung der Strategie
unterstützen, indem der die finanziellen Auswirkungen unterschiedlicher
Szenarien klar herausarbeitet und die Opernationalisierung der Strategie mit
den jeweiligen Geschäftsbereichesleitern beziehungsweise Geschäftsführern auf
Landesebene vorantreibt. Der CFO treibt die Gestaltung von Strukturen, Systemen
und Prozesses.“[1]
Dies
erfordert eine weitere Fokussierung der Tätigkeit des CFO und der Finanzfunktion
auf zwei Kernfunktionen, nämlich auf die Rolle als Governance, Compliance und
Risk-Manager einerseits und als Business Partner im Bereich
Entscheidungsunterstützung andererseits. Dies wird in Zukunft auch Einfluss auf
die Karriere von Finance-Managern haben.
Dazu David
Kappler, CFO des Konsumgüterkonzerns Cadbury-Schweppes (seit Mai 2004 im
Ruhestand):
„There are
two fundamental demands for the CFO of the future. One is about reputation of
the business: it’s about risk management; it’s about open accounting policies.
It’s also about initiation, perhaps self-initiation in terms of Corporate
Governance. […] The other one is about decision-making support. I think we will
see purely transactional financial processes disappearing out of the CFO task
portfolio. The CFO career of the future is therefore most likely based on
experiences in the decision support and business analysis area and in that
broad reputation/limitation role.”[2]
Eine wichtige
Rolle spielen bei der Finance Transformation Shared Services Center-Konzepte
oder moderner, Business Services Center-Konzepte. Denn diese wirken quasi als
Katalysator beim Wandel von der traditionellen Backoffice-Funktion zu einem
wirklichen Dienstleister, der die Business-Partner von transaktionalen
Prozessen bzw. administrativen Tätigkeiten entlastet, die Kosten reduziert
und auch die Prozess- und
Servicequalität deutlich verbessert (s. Abbildung).

Abbildung:
Shared Service Center und Center of Excellence als Basis für die Business Partner-Services
der neuen Finanzorganisation
Sichtbar wird
dies beispielsweise im europäischen Business Service Center eines anderen
Konsumgüterkonzerns in Budapest. Seit 2001 betreibt man hier die
transaktionalen Prozesse Order-to-Cash, Purchase-to-Pay, Record-to-Report und
Master Data Maintenance für die europäischen Geschäftseinheiten. Im Gespräch
mit den Managern des Business Services Center manifestiert sich schnell das
neue Selbstverständnis: nämlich dass diese nun als Unternehmer und nicht mehr als
Verwaltungsmanager handeln. Das heißt auch, dass man sich laufend über die
Zukunft und die Strategie des Business Service Center Gedanken macht: Welche
Prozesse eignen sich nun, dank Standardisierung und Effizienzverbesserung, zum
Outsourcing an einen externen Dienstleister (um weitere Kostenreduktionen zu
erreichen)? Wie entwickeln wir uns in Richtung
wertschaffenderer Tätigkeiten, wo wir nicht mit den Low-Cost
Outsourcing-Dienstleistern, z.B. in Indien, direkt im Wettbewerb stehen? Wo
liegt unsere Kernkompetenz?
Entschieden
ist bereits, dass weitere, höherwertige Prozesse in das Business Services
Center „reingerollt“ werden sollen - beispielsweise im Bereich
Unternehmensplanung und Forecasting. Im Gegenzug wurden die ersten
Outsourcing-Kandidaten identifiziert. Zudem hat sich das Business Services
Center Europe inzwischen als das Know-How-Zentrum im Konzern für
Finance&Controlling-Wissen etabliert – hier liegt dessen Kernkompetenz.
Dies wird klar belegt durch die Tatsache, dass der CFO kürzlich entschieden
hat, dass niemand mehr Karriere im Finanzbereich des Konzerns macht, der nicht
1-2 Jahre im Business Services Center in Budapest verbracht hat.
1 Jürgen H. Daum ist Management Adviser,
Finance & Unternehmenssteuerungs-Experte und Chief Solution Architect bei
der SAP, Walldorf. Für die CFOs und Controller zahlreicher europäischer
Unternehmen fungiert er als Ideen- und Impulsgeber bei der Neuausrichtung der
Finanzorganisation und der Unternehmenssteuerung. Zusammen mit seinen Kollegen
betreibt seit 2003 das sogenannte SAP Finance Best Practice Network. Es dient
als Plattform für die CFOs europäischer SAP-Kunden und für ihre
Finanzarchitekten sich über „Finance Best and Next Practice“ gezielt
auszutauschen und gemeinsam Wege in Richtung der Finanzorganisation der Zukunft
zu erarbeiten. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Fachzeitschriften,
spricht auf Konferenzen im In- und Ausland und ist Autor von
„Intangible Assets
oder die Kunst, Mehrwert zu schaffen“ (dt.: 2002, engl.: 2003) und
„Beyond
Budgeting“ (2005). Vor seiner Zeit bei SAP war er kaufmännischer Leiter eines
mittelständischen Unternehmens. E-Mail:
jhd@juergendaum.de
, Website: http://www.juergendaum.de/
[1] zitiert aus: „Den strategischen Wandel der SAP unterstützen“ – im
Gespräch: Werner Brandt, Chief Financial Officer (CFO) und Vorstandsmitglied
der SAP, in: SAP INFO 130, September
2005, S. 18
(siehe: http://www.sap.info/public/DE/de/index/PrintEdition-1130043032206018bf-de/2005/articleContainer-117024303271b118a1)
[2] Zitat aus: Jürgen H. Daum, Werner Brandt, Thomas Buess, Lennart Francke und David Kappler, The Future of Enterprise Performance Management – From Best to Next Practice. A discussion with the CFOs of four leading European companies, in: Controlling, Heft 11, November 2005, S. 51-56 (Podiumsdiskussion anlässlich des europäischen SAP CFO Roundtable am 3. Dezember 2004 in Venedig)
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Additional Resources:
J.D.’s Best Practice Channel – Finance
J.D.’s Beyond Budgeting Info Center
Interview
mit Jürgen H. Daum:
Intangible Assets - die Kunst,
Mehrwert zu schaffen
Weshalb ein
neues Management System ? – Artikel
von Jürgen H. Daum
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